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Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als wieder Stimmen an sein Ohr drangen. „Jana, nun komm schon, ein paar Minuten kannst du doch noch bleiben.“ – „Wozu? Der kriegt doch sowieso nichts mit.“ – „Jana! Das wissen wir nicht. Vielleicht hört er uns.“ – „Und dann freut er sich sicher tierisch, dass ausgerechnet seine Ex und seine verhasste Tochter da sind. Ja klar.“ – „Jana, bitte!“ – „Na stimmt doch, der hat sich doch nie einen Scheißdreck für mich interessiert. Schon bevor er mit dieser Tussi verschwunden ist.“ – „Jana, er ist dein Vater. Auch wenn du es nicht glaubst, er liebt dich. Auf seine Art.“ – „Erzähl doch keinen Scheiß. Wie oft hat er mich in den ganzen vierzehn Jahren denn besucht? Na, sag doch selber!“ – „Er liebt dich trotzdem.“ – „Woher willst du das wissen? Hat er das etwa behauptet?“ – „Nein, das weiß ich einfach. Ein Vater liebt seine Tochter immer. Geht gar nicht anders.“ – „Ist mir sowieso egal. Der kann mir gestohlen bleiben.“ Pause „Jana, ich geh mir mal schnell einen Kaffee holen. Bleibst du solang hier?“ – „Jaja, ist mir sowieso egal.“ Schritte, die Türe, Stille. „He, du alter Sack, hörst du mich? Ist ganz schön Scheiße hier, was?“ Pause „Aber wart mal bis du aufwachst. Dann fängt’s erst richtig an. Ich hätte das nicht hören sollen, aber ich hab’s mitbekommen. Deine Tussi mussten sie in mehreren Stücken aus dem Auto schneiden. Krass, was?“ Pause „Du sitzt ganz schön in der Scheiße, Mann. Was für ein Idiot setzt sich ans Steuer, wenn er so besoffen ist?“ Pause „In deinem Alter. Wenn ich das tun würde, würd ich’s ja noch verstehen. Wenn ich dann den Führerschein mache, meine ich. Aber du, wie kannst du das tun? Verdammte Scheiße!“ Schluchzen. „Du hast Familie, Mann. Du hast eine Tochter, falls du das noch nicht vergessen hast.“ Schluchzen. „Aber ist sowieso alles egal.“ Die Türe, eine zweite Stimme. „Jana, Schätzchen! Was ist denn los? Wein doch nicht. Das wird schon alles wieder.“ – „Ich hab nur was im Auge. Ich heul doch hier nicht wie ein Baby.“ – „Komm mal her. Wir müssen jetzt stark sein. Für Papa. Wenn er aufwacht, dürfen wir ihm nicht gleich sagen, dass Marie tot ist. Wir müssen ihm Zeit geben. Er kann ja für eine Weile bei uns einziehen. Mal sehen. Wenn er will. Alles wird gut. Ich versprech’s dir. Komm, gehen wir heim.“ Schritte, die Türe, Stille. Ihm blieb nur noch die Hoffnung auf den Tod.

ID and0mr, struppistruppiRank 3, Activity: 0%, Views: 1085, Chars: 2369, 136 months ago

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