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13.69

Die Flure, die die Büros untereinander, sowie mit dem Treppenhaus und den Fahrstühlen, verbanden, blickten auf bessere Jahre zurück. In den 70er-Jahren nannte sich der eingetretene Teppich bunt und das Farbenmuster modisch. Nun zeugten ihre Reste nur noch für die Geldknappheit des Hausinhabers.
Wieso Rainer gerade an diesem Spätnachmittag diese Gedanken kamen, wusste er nicht zu erklären. Dennoch sie schwirrten für eine handvoll Sekunden durch seinen Kopf. Bis der Blick durch einen Zufall eine Bürotür auf der linken Gangseite streifte, auf deren Holztüre in geplotteter Schrift die Zahl 13.69 stand.
Rainer ging noch drei Schritte weiter, an der Türe vorbei. Dann blieb er stehen. Drehte sich zurück zu der Türe. Und stieß einen Fluch durch die Zähnen.
Als seine Fingerknöchel gegen das Holz pochten, wünschte er sich nichts sehnlicher, als dass das „Herein“ ausblieb, dass wenige Augenblicke später zurückdrang.
Mit einem „Hallo.“ betrat er Ulrichs Büro.
Obwohl die Büroeinrichtungen vom Arbeitgeber vorgeschrieben war und sich nur in den spärlich verteilten Privatgegenständen, wie Familienfotos, gerahmten Urkunden oder von den Kindern gemalten Bildern unterschieden, erschien Rainer das Büro von Ulrich an diesem Tag besonders trostlos.
„Langenscheidt. Du noch hier?“ blickte der Besuchte hinter dem Computerbildschirm auf.
„Ja. Aber ich bin auf dem Weg nach Hause.“
„Gut.“
Es entstand ein unangenehmes Schweigen. Rainer hoffte, dass Ulrich es zuerst ansprechen würde. Doch er wartete vergebens. „Wegen morgen...“
„Ach so.“
„Wann?“
„Weiß nicht. Wann hast du Zeit?“
Rainer zuckte mit den Schultern. „Mittagspause?“
„Schön. Dann also morgen Mittag.“
„Ja...“
„Oder...“
Eine Gänsehaut kroch über Rainers Nacken und den Rücken hinab.
„Was ist mit jetzt sofort?“
„Jetzt? Sofort?“
„Dann hast du es hinter dir.“
„Ich weiß nicht. Ich wollte eigentlich nach Hause. Zu meiner Frau.“
„Gut. Dann halt morgen Mittag.“
Rainer nahm all seinen Mut zusammen und atmete tief durch. „Okay. Gehen wir sofort.“
„Schön.“ Über Ulrichs Gesicht zuckte die Andeutung eines kalten Lächelns.
Keine dreißig Sekunden später liefen die beiden Männer über den 70er-Jahre-Gang in die Richtung des nächsten Fahrstuhls.

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Rainer Langenscheidt kommt an dem Büro 13.69 vorbei, in dem ein Kollege mit den Namen Ulrich arbeitet. Rainer betritt das Büro und bespricht mit Ulrich eine Sache. Beide Männer verlassen das Büro

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70er-Jahre, Flur, Kollege

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