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Dieses Märchen entstand nach dem intensiven Hörgenuss von "Schandmaul" und dem Titel "Die drei Prüfungen" :

Die drei Rätsel ( märchenhafte Frauenseele, daher etwas umfangreicher)

Es war einmal, in einem Königreich weit, weit entfernt eine Prinzessin. Sie wuchs behütet im Schloss ihrer Eltern auf und diese bemühten sich nach Kräften ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen, wann immer die Regierungsgeschäfte es zuließen.

Und doch kam es immer öfter vor das die Prinzessin am Ufer des Kristallsee saß, lange auf die funkelnden Wellen schaute und weinte. Sie konnte es sich selbst nicht recht erklären, aber sie fühlte eine tiefe Sehnsucht im Herzen.

Als die Eltern dies bemerkten bestimmten sie dass es an der Zeit wäre die Prinzessin zu verheiraten.

Viele Prinzen aus noch mehr Ländern kamen und hielten um die Hand der jungen Königstochter an. Sie schmeichelten, bekundeten ihre aufrichtige Liebe und prahlten mit ihren Reichtümern. Doch die Prinzessin wurde nur noch trauriger als sie sich ihr Leben an der Seite solch eines Gemahls vorstellte.

Da flog die Tür des Kronsaals auf und der König eines fernen Landes trat mutig direkt vor die Prinzessin. Entschlossen sprach er:“ Folge mir nach in mein Reich, dort werde ich jede Trauer aus Deinem Herzen vertreiben und Deine Sehnsucht nach dem Leben stillen“ Von diesen Worten tief bewegt sprang die Königstochter auf, an seine Seite und bat die Eltern um ihren Segen mit ihm ziehen zu dürfen. Eine prunkvolle Hochzeit ward gefeiert und sie folgte ihm in sein Reich.

Dort sah es ganz anders aus als die Prinzessin es gewohnt war. Die Bäume, die Wege, die Häuser leuchteten in grellen, unnatürlichen Farben die fast in den Augen schmerzten. Alles war makellos schön, gleichmäßig und sauber. Auch die Bewohner dieses Reiches waren tadellos gekleidet und allesamt wunderschön. Ihre Gesichter makellos wie gemalt. Die Prinzessin war zutiefst beeindruckt.

Ihr Gemahl wandte sich ihr zu und sprach: “Du mein geliebter Wildfang wirst genauso schön werden, nein noch viel schöner. Du wirst die Schönste von allen sein wenn ich mit Dir fertig bin!“ „Ich bin doch schon fertig und schön“ antwortete die Prinzessin verwirrt. „Du bist hübsch, ja, aber nicht schön. „ tadelte er sie „Du bist wie ein Rohdiamant den erst der richtige Schliff zum Juwel macht. Vertrau mir!“ redete er Ihr ins Gewissen. Die Prinzessin schwieg nachdenklich und sah schweigend aus dem Fenster. Warum sahen diese schönen Menschen nur so leblos aus?

Kaum waren sie im Schloss angekommen hieß sie der König ihre Kleider auszuziehen, und neue, schon zurecht gelegte, Kleidung anzulegen. Mit klopfendem Herzen sah sie zu wie die Zofe ihre mitgebrachten und getragenen Kleider direkt ins Kaminfeuer warf, so dass sie zu Asche verbrannten. Sie fröstelte trotz der Flammen.

Die neuen Kleider waren von feinster Seide und funkelten in Farben, so prächtig wie sie die Prinzessin nie zuvor gesehen hatte. Doch sie saßen eng und sie konnte darin kaum atmen. Sie wurde in eine unnatürlich aufrechte Haltung gezwängt und konnte sich nur langsam und bedacht bewegen. „Mein Gemahl“ sprach sie den König beim Abendessen an „könnt Ihr den Schneider in meine Gemächer rufen damit er meine Kleider ändert, sie nehmen mir die Luft“. „Daran wirst Du Dich gewöhnen müssen“ sprach dieser mit kalter Miene und ließ einen Spiegel herein tragen. „Sieh selbst welch königliche Haltung sie Dir verleihen, welche Anmut sie mit sich bringen, das hat alles seine Richtigkeit!“ belehrte er sie. Die Prinzessin sah schweigend in den Spiegel. Er hatte recht, doch wie sollte sie so essen, atmen, gehen?

Die nächsten Tage lehrten sie dass dies alles nicht von Belang war. Essen konnte sie nur soviel um gerade nicht zu verhungern. „Das reicht, eine dicke Königin wäre nicht wünschenswert“ entschied der König. Atmen, konnte sie ebenfalls ausreichend, schließlich lebte sie, “Wozu mehr Luft holen ?“ fragte er sie ärgerlich. Nur zu den gemeinsamen Mahlzeiten durfte sie ihr Turmzimmer verlassen. Ihre anfänglichen Fragen und Wünsche erstickte der König mit zornigen Antworten bis sie nicht mehr wagte das Wort an ihn zu richten.

Den Rest des Tages wurde sie gekämmt, kunstvolle Zöpfe geflochten, ihr Gesicht gepudert, die Lider und Lippen bemalt und neue Kleider angepasst. Jeden Abend bei Sonnenuntergang durfte sie für einen Augenblick auf den Balkon treten und der Bevölkerung huldvoll zuwinken. Dies war der Augenblick, der jeden Abend mehr an ihrem Herz zerrte. Sie wollte in die Abendluft laufen, tief atmen, lachen, weinen, schreien, leben. Jedes mal wenn sie zurück in die Kammer musste schien ihr Herz vor Schmerz zu zerspringen. Weinend rüttelte sie des Nachts an der Tür ihrer Kammer, an den verriegelten Fenster und fand doch keinen Ausweg. Gefangen in dem kalten, schönen Reich das sie selbst ausgewählt hatte.

Nur eine kleine Maus leistete der Prinzessin in ihrem Kummer Gesellschaft da sie jeden Abend etwas Käse und Brot vom Abendessen mitgebracht bekam. Dieser Maus klagte sie Nacht um Nacht ihr Leid, einen ganzen Mondlauf lang. Als der Mond sich wieder vollends rundete geschah es dann. Die Luft in der Kammer war plötzlich voller Flimmern und Flirren, die Maus wurde größer und größer und verwandelte sich in einen stattlichen jungen Mann. „Fürchte Dich nicht Prinzessin! Ich bin der Zauberer Xenios und will Dir nichts Böses. Dein Leid kümmert mich und Du hast mir einen Monat lang Dein gutes Herz bewiesen. Es liegt in meiner Macht Dir zu helfen. Willst Du mit mir kommen in mein Reich? Fort von diesem kalten Ort “ Die Prinzessin war sprachlos vor Verwunderung und rang um Fassung. Konnte sie diesem Zauberer vertrauen? Doch was konnte schlimmer sein als dieses Dasein hier? „Bitte bring mich fort!“ rief sie schnell aus. Der Raum begann sich um sie zu drehen, schneller und schneller bis sie das Bewusstsein verlor.

Sie erwachte in einem weichen Bett welches in einem seltsamen Raum stand. Er war nicht rund wie ein Turmzimmer, und hatte nicht vier Ecken wie andere Kammern. Mal zählte sie 3 Ecken, dann wieder 5, manchmal sogar 8 . Die Wände schienen sich immer wieder zu verändern, ebenso die Möbel und die Farben in dem Raum. Doch das war gar nicht beängstigend sondern eher erheiternd. Sie lief zum Fenster und sah eine ebenso wundersame Umgebung. Bäume und Tiere die sie noch nie gesehen hatte tummelten sich da. Wie im Zimmer wechselte alles Formen und Farben und wundersame Laute drangen an Ihr Ohr.

Der Zauberer trat ein und begrüßte sie in seinem Zauberschloss. Er zauberte Ihr zuerst einmal passende Kleider, die sie schmückten, doch nicht einengten. Als nächstes erschien ein wunderbares Mahl auf dem Tisch das keinen Wunsch offen ließ. Die Prinzessin wusste gar nicht wie sie ihrem Retter danken sollte. „Du kannst Dich hier im Schloss frei bewegen. Doch Du darfst die Mauern nicht verlassen. In meinem Reich des Zaubers lauern viele Gefahren vor denen Du nur hier sicher bist. Ich werde Dir die Zeit vertreiben und damit die Sehnsucht aus Deinem Herzen jagen.“ Die Prinzessin lauschte aufmerksam seinen Worten. Er schien sehr warmherzig und freundlich zu sein. Er sorgte sich um ihr Wohlbefinden und wollte Ihr die Wärme geben die sei bei ihrem Gemahl so vermisst hatte. Warum krampfte ihr Herz sich trotzdem warnend zusammen?

Tag und Nacht wich der Zauberer nicht von ihrer Seite. Wo sie sich aufhielt war auch er. Er war ein guter Erzähler und beliebte sie mit Scherzen zum Lachen zu bringen. Kaum meldete sich die Sehnsucht in ihrem Herzen verstand er es geschickt sie durch Zaubereien und Geschichten davon abzulenken. Mit der Zeit sehnte sich die Prinzessin nach etwas Ruhe. Doch wollte sie Xenios davon erzählen warnte sie die Trauer in seinen Augen davor weiter zu sprechen. Es wäre undankbar die Gefühle ihres Retters so zu verletzen. Wann immer sie versuchte sich zurück zu ziehen tauchte der Zauberer auf und forderte ihre ganze Aufmerksamkeit. Nur des Nachts wenn sie sich schlafend stellte konnte sie in sich spüren und ihren eigenen Gedanken folgen.

Der Kälte ihres Gemahls und seiner Gefangenschaft war sie entronnen, doch was erlebte sie nun? Der Zauberer sperrte sie zwar nicht mutwillig ein, doch frei fühlte sie sich hier so wenig wie vorher. Die Sehnsucht war so groß das es sich anfühlt als müsste es ihre Brust zerreißen. So lauschte sie tagsüber den Worten und Scherzen von Xenios und des Nachts ihrem Herzen.

13 Monde lebte sie so an seiner Seite im Zauberschloss. Da hörte sie in der Nacht ein Rufen. Leise um Xenios nicht zu wecken schlich sie zum Fenster. Niemand war zu sehen. Doch etwas dort rief verlockend und süß. Sie wusste es wäre klüger wieder ins Bett zu kriechen doch sie konnte sich diesem Klang nicht entziehen und schlief am Fenster ein.

Am nächsten Morgen stellte der Zauberer sie zur Rede. Sie erzählte ihm von den Rufen, nicht aber wie verlockend sie geklungen hatten. Xenios warnte sie nicht darauf zu achten und nicht mehr zum Fenster zu gehen. Er schien sehr ungehalten.

In der folgenden Nacht wachte die Prinzessin wieder und wartete schon gespannt ob die Rufe wieder ertönen würde. Und so war es. Obwohl sie wusste dass es verboten war konnte sie der Versuchung nicht widerstehen und schlich zum Fenster. Wieder schlief sie dort lauschend ein.

Der sanfte, gutmütige Zauberer weckte sie zornig. Er schüttelte sie kräftig und schrie sie wütend an da sie seine Anweisung nicht befolgt hatte. Er beschimpfte sie voller Wut und schalt sie ein undankbares, selbstsüchtiges Ding zu sein. Die Prinzessin war zutiefst erschrocken über die Veränderung des Zauberers und bemühte sich an diesem Tag eine besonders aufmerksame und gelehrige Zuhörerin seiner Worte zu sein. Tatsächlich schien er am Abend wieder besänftigt.

Als in dieser Nacht die lockenden Rufe an das Ohr der Prinzessin drangen kämpfte sie dagegen an. Sie wollte folgsam sein und nicht wieder den Zorn des Zauberers erregen. Doch ihr Herz schien in ihrer Brust anzuschwellen und die Hoffnung die Erfüllung dieser bohrenden Sehnsucht zu finden wurde übermächtig. Besonders vorsichtig und leise schlich sie zum Fenster. Doch in dieser Nacht hatte der Zauberer gewacht und war mit einem Satz hinter ihr her. Er schlug Ihr ins Gesicht und stieß sie voller Zorn zum Fenster hinaus.

Die Prinzessin stürzte jedoch nicht in den Tod wie sie selbst und der Zauberer gedacht hatten. Sie landete in den Armen einer dunklen Gestalt die sie packte, mit auf ein Pferd zog und in wildem Galopp in die Nacht brauste. Der Prinzessin schwindelte vor Angst, durch diesen wilden Ritt, die fremde Gestalt und doch kroch ein Lachen in ihr herauf denn lange hatte sie sich nicht mehr so frei gefühlt wie in diesem Moment.

Erst als ein heller Schein am Horizont den neuen Tag ankündigte verlangsamte der Fremde den Ritt und richtet erstmals das Wort an sie. „Prinzessin, Du bist frei. Du kannst gehen wohin auch immer Du willst“ und ließ sie langsam vom Pferd gleiten während er darauf sitzen blieb. Sie schaute sich um, Wald, Wiesen, Weite, ein Bach, kein Dorf, keine Menschenseele. „Ihr bleibt nicht bei mir? Und ich dachte Ihr könntet mir helfen die Sehnsucht in meinem Herzen zu stillen“ erwiderte sie traurig. „Nein das vermag niemand außer Euch selbst“ entgegnete der Reiter entschieden „ Wie? Sag mir doch, wie?“ bat sie ihn. „Suche mir den härtesten Fels auf Erden, den hellsten Strahl der Welt und den Quell des Lebens, dann werden wir weiter sehen“ rief er ihr im Davonreiten zu und verschwand.

Wütend und ratlos zugleich sah die Prinzessin ihm hinterher. Was nun ? Wohin sollte sie gehen? Unschlüssig wandte sie sich dem kleinen Bach zu, setzte sich ins Gras und schaute niedergeschlagen ins Wasser. Sie fühlte sich unzufrieden und die Sehnsucht brannte stetig in ihrer Brust. Der erhoffte Retter war fort.

Aufgaben hatte er Ihr gestellt. Noch nie in ihrem Leben hatte jemand ihr aufgetragen Rätsel zu lösen. Doch sie wollte den Fremden so gerne wieder sehen. Wenn nur die Rätsel sie wieder zu ihm führten dann würde sie diese lösen.

Sie war wieder so allein wie damals am Ufer des Kristallsees an dem sie der Sehnsucht zum ersten Mal begegnet war.

Die Prinzessin hatte in das Wasser geschaut, wie jetzt, ihr Spiegelbild betrachten wollen. Sie sah das glitzernde Sonnenlicht, die Schwäne, das Schloss, die Bäume, nicht mehr und nicht weniger. Da spürte sie dass etwas fehlte und das Gefühl der Sehnsucht begleitete sie fortan.

Wieder sah die Prinzessin ins Wasser. So hatte es angefangen, vielleicht würde es auch so enden.

Sie sah die Sonne auf der Wasseroberfläche glitzern. Das Gras spiegelte sich im Wasser. Und nun staunte die Prinzessin, ein freundliches Gesicht mit leuchtend grünen Augen sah ihr entgegen, eingerahmt von langen dunklen Haaren, eine zierliche Nase und geschwungenen Lippen. Sie musste lächeln, angesichts dieser Schönheit, und das Gesicht im Wasser lächelte zurück. „Wer bist Du?“ fragte die Prinzessin neugierig. „Ich bin diejenige die erfahren hat das Schönheit ohne Leben nicht glücklich macht“ Die Prinzessin verstand nicht. „Sag mir doch, wie ist Dein Name? Woher kommst Du?“ drängte sie. Das Mädchen im Wasser antwortete „ Ich bin diejenige die gelernt hat das Aufopferung keinen Raum zum Leben lässt“ „Du sprichst in Rätseln“ erwiderte die Prinzessin “Du musst doch einen Namen haben“. „Ja“ sprach es da aus dem Wasser „ich habe einen namen, und Du wirst ihn bald kennen“ Dann verdunkelte eine große Wolke die Sonne und das Gesicht verschwand.

Die Prinzessin machte sich auf den Weg das erste Rätsel zu lösen.

3 Tage und 3 Nächte wanderte sie in Richtung Norden wo die großen Steinwüsten warteten. Stein um Stein hob sie auf, doch immer erschien Ihr ein anderer noch härter zu sein als der den sie gerade in Händen hielt. Müde,die Finger blutig und zerschnitten vom schroffen Gestein setzte sie sich verzweifelt auf einen großen Felsen und weinte und weinte. Sie weinte so sehr das sich unter Ihr eine klare Pfütze bildete. Dann wischte sie trotzig entschlossen die Tränen weg, stampfte auf und rief „Ich werde ihn finden und wenn es das Letzte ist was ich tue!“

In dem Moment fiel das Licht der Sonne auf die Pfütze zu ihren Füßen und sie sah das Gesicht das damals im Bach erschienen war. „So ist´s richtig“ sprach seine Stimme, „Du hast den härtesten Fels auf Erden immer bei Dir. Dein ungebrochener Wille ist es was von niemand behauen oder zerstört werden kann! Etwas Härteres kannst Du nicht finden“ Eilig dankte die Prinzessin dem grünäugigen Mädchen und da war es auch schon wieder verschwunden.

Ermutigt durch des ersten Rätsels Lösung machte sich die Prinzessin auf den Weg und ging 3 Tage und 3 Nächte lang nach Süden wo sie den hellsten Strahl des Lichts vermutete. Wirklich leuchtete die Sonne des Mittags hier besonders hell. Jeder Stein, das Wasser, die Wege alles schien das Licht zurückzuwerfen und noch heller funkeln zu lassen. Schnell entdeckte sie einen Sonnenstrahl der besonders hell leuchtete. Doch sehr sie auch versuchte ihn zu packen. Es wollte Ihr nicht gelingen. Weder in ein Gefäß, noch mit den Händen konnte sie ihn fassen. Das Ziel vor Augen und doch nicht zu greifen. Schließlich brannten ihre Augen selbst wie Feuer und waren blind vom grellen Licht. Voller Wut und Verzweiflung ließ sich die Prinzessin zu Boden fallen und weinte, weinte wieder einen See klarer Tränen. Das Wasser kühlte die geschundenen Augen und als sie zu Boden blinzelte sah sie verschwommen das Gesicht des Mädchens wieder. „Weine nicht mehr, welcher Sonnenstrahl könnte heller als das Licht Deiner Seele strahlen? Du hast schon bei Dir was Du suchst“ Kaum waren die Worte verklungen hatte die Sonne die Tränen aufgetrocknet und es war nichts mehr zu sehen.

Nun fehlte nur noch der Quell des Lebens. Um diesen zu finden folgte die Prinzessin dem großen Fluss, den sie entdeckt hatte, entlang nach Westen. 3 Tage und 3 Nächte begleitete sie ihn am Ufer. Sie sah wie er sich schmäler und schmäler durch die Wiesen schlängelte. Bis sie in einer smaragdgrünen Tal-Ebene an seiner Quelle stand. Ringsum sie her sprudelten murmelnd hunderte Quellen aus der Erde die sich ihren Weg als kleine Bäche durch das Land suchten. Doch welche war die richtige. An jeder blieb sie lauschend stehen ob sie mehr zu sagen hätte als das beruhigende Gurgeln wenn das Wasser zwischen den Gräsern über die Steine sprang. Doch vergebens. Jede Quelle war kühl und erfrischend und schön anzusehen, doch nicht die eine besondere Quelle die sie suchte. Erschöpft schlief sie zwischen den Wassern ein und hatte einen tiefen Traum. Ihr fremder Retter kam Ihr entgegen geritten, schloss sie in die Arme, küsste sie innig und hielt sie so eng und fest als wären sie Eins. Glühend erwachte sie und kühlte sich ihr Gesicht im klaren Quellwasser. “Siehst Du“ sprach da die vertraute Stimme aus dem Wasser“ das ist der wahre Quell des Lebens: die Liebe in Deinem Herzen“ „Wie kann ich Dir nur danken?“ fragte die Prinzessin tief bewegt. „Erkenne, wer ich bin, das ist mein größter Wunsch“ antwortete das Mädchen im Wasser immer leiser werden und verschwand im Glitzern der Morgensonne.

3 Tage und 3 Nächte wanderte die Prinzessin wieder dem Ort zu an dem Ihr Retter sie verlassen hatte. Tatsächlich sah sie schon von weitem sein Pferd stehen, und er wartete gespannt ob sie die Rätsel gelöst hatte. Sie berichtete stolz was sie herausgefunden hatte. Freudig nahm er sie in seine Arme und küsste sie so wie in ihrem Traum. Sie war glücklich wie nie zuvor. „Nun Prinzessin, soll ich Deine Sehnsucht stillen?“ fragte er sie lächelnd. „Welche Sehnsucht?“ entgegnete die Prinzessin verblüfft. Hielt inne, schaute ihn an und sprach „Ich fühle sie nicht mehr. Wo ist sie hin?“ „Das ist wohl das letzte Rätsel. Ich kann es Dir nicht beantworten“ antwortete er sanft .

Eilig lief sie zum Bach hinüber und beugte sich suchend über die Wasseroberfläche. Da schaute es ihr entgegen, das Mädchen das ihr zur Seite gestanden hat. „Wo ist meine Sehnsucht? Ist sie für immer fort? Wie konnte das geschehen? „ überschüttete die Prinzessin es mit Fragen. „Sag mir wer ich bin und Du kennst die Antwort“ antwortete das Mädchen mit ruhiger Stimme.

Schweigend sah die Prinzessin das Mädchen im Wasser lange an. Es hatte einen fest entschlossenen Gesichtsausdruck. Der härteste Fels, kam der Prinzessin in den Sinn. Die Augen des Mädchens leuchteten Ihr entgegen wie nur eine glückliche Seele zu leuchten vermag. Sie musste an den hellsten Strahl denken. Das Mädchen strahlte unendliche Liebe aus wie es Ihr so entgegenblickte, der wahre Quell des Lebens. Die Prinzessin musste schallend lachen.“ Wie dumm bin ich gewesen! „ rief sie laut aus. „Du bist Ich, Du bist mein Spiegelbild! Ich war so blind mich selbst nicht zu kennen. Es war die Sehnsucht nach mir selbst die mich quälte. Zu mir musste ich finden.“ erkannte sie endlich die Wahrheit.

Befreit lief sie zum Mann ihres Herzens zurück. “Nun kenne ich mich. Jetzt ist es an der Zeit Dich zu erkunden“ kündigte sie lächelnd an. Sie stiegen auf sein Pferd und ritten dem Leben entgegen. Und da er ein kluger Mann war stellte er Ihr hin und wieder ein Rätsel um ihre Liebe jung zu halten .

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Comments

1. geckopneugeckopneuRank 4 131 months ago

Wow, wirklich gute Umsetzung!

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